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Restrisiko auf Krücken

wahl-stimmen::blog

Montag, 4. April 2011

Restrisiko auf Krücken

Geschrieben von SANDmann in Reformgesang
... oder die Lebenslüge der Atomkraft-Befürworter.

Angela Merkel hat sie zur Eröffnung der Hannover Messe noch einmal kompakt vom Sprechzettel abgelesen:
Die dramatischen Ereignisse sind für uns vielleicht auch deshalb so ganz besonders bewegend, weil sie in einem Hochtechnologieland wie Japan vorkommen und uns zeigen, dass etwas möglich ist, das nach wissenschaftlichen Maßstäben nahezu ausgeschlossen schien. Mit Fukushima hat das Wort "Restrisiko" für die ganze Welt eine neue Bedeutung bekommen. Galt es bisher als kalkulierbar und damit beherrschbar, steht es jetzt für reale Gefahr. Das dürfen auch Länder nicht ignorieren, die nicht unmittelbar von der Katastrophe betroffen sind. Wir wissen, dass wir in Deutschland vergleichbare Naturkatastrophen wie in Japan nicht zu erwarten haben. Unsere Kernkraftwerke – auch das will ich noch einmal betonen – zählen zu den sichersten der Welt.
(Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnung der Hannover Messe 2011)

Sie hat es wirklich gesagt, vor laufenden Kameras wurde die ignorante Peinlichkeit in die Welt gesendet:
Galt (das Restrisiko) bisher als kalkulierbar und damit beherrschbar, steht es jetzt für reale Gefahr.

Die Physikerin im Kanzleramt weiß es besser: Das sogenannte Restrisiko war schon immer real. Auch wenn es durch noch so große Sicherheitsanforderungen minimiert, also noch so klein sein mag, die Eintrittswahrscheinlichkeit bleibt immer Eins.
Die Politikerin macht daraus aber eine "neue Lage":
Die unfassbaren Ereignisse in Japan lehren uns, dass etwas, was nach allen wissenschaftlichen Maßstäben für unmöglich gehalten wurde, doch möglich werden konnte. Sie lehren uns, dass Risiken, die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, doch nicht vollends unwahrscheinlich waren, sondern Realität wurden. Wenn das so ist, wenn also in einem so hoch entwickelten Land wie Japan das scheinbar Unmögliche möglich, das absolut Unwahrscheinliche Realität wurde, dann verändert das die Lage. Dann haben wir eine neue Lage, dann muss gehandelt werden. Und wir haben gehandelt.
(Regierungserklärung der Bundeskanzlerin vom 17.03.2011)

Und wie handelt die Bundesregierung, wenn das "absolut Unwahrscheinliche" Realität geworden ist? Sie veranlasst "im Lichte der Ereignisse in Japan ..., dass alle deutschen Kernkraftwerke noch einmal einer umfassenden Sicherheitsprüfung unterzogen werden - im Lichte der neuen Lage!" Das muss auch so sein:
Denn die Menschen in Deutschland können sich darauf verlassen: Ihre Sicherheit und ihr Schutz waren und sind für die Bundesregierung oberstes Gebot. Es gilt der Grundsatz: Im Zweifel für die Sicherheit.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker - nach der Jumbppackung Aspirin.
Das Plenarprotokoll verzeichnet an der Stelle Beifall: Aber warum erschallt da kein Hohngelächter, auch nicht "draußen im Land"?

 

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