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Zumutung Deutschlandfunk

wahl-stimmen::blog

Donnerstag, 29. März 2007

Zumutung Deutschlandfunk

Geschrieben von SANDmann in Wirtschaft+Soziales
Schwer Verdauliches im Doppelpack
Was einem so alles zugemutet wird - im Deutschlandfunk an einem Mittwochmorgen

Auf nüchternen Magen, um 6:50 h, ist die neoliberale Gebetsmühle Hans-Werner Sinn wahrlich schwer zu ertragen. Nicht nur wegen der schlichten Weltrettungsformel ("Weniger Lohn - meht Jobs"), die er zu jedem Thema anbringt, sondern mehr noch wegen der Genügsamkeit der Moderatorin Silvia Engels, die nicht einmal erstaunt nachfragt, wenn der DLF-Hausökonom Sätze wie diese intoniert: "Alles, was (über zwei Prozent) hinausgeht, ist nicht mehr beschäftigungsneutral. Die Frage ist allerdings, ob wir überhaupt eine beschäftigungsneutrale Lohnpolitik haben wollen, denn die Lohnkosten, gerade im verarbeitenden Gewerbe, sind relativ zur gesamtwirtschaftlichen Produktivität die höchsten auf der ganzen Welt, und insofern bräuchten wir eigentlich eine Moderation."
Selbst im Halbschlaf und vor der belebenden Dusche hätte der Hörer nicht Engels Geduld und gerne gefragt, ob Deutschlands klügster Professor vielleicht absolut und relativ verwechselt, so wie weiland die Kanzlerkandidatin brutto und netto.
"Lohnkosten relativ zur Produktivität", sind das nicht Lohnstückkosten? Und die sollen die "höchsten in der ganzen Welt" sein? Aber nein,der Professor aus München kann ungestört schlussfolgern, es "müsste die Gewerkschaft sich doch einmal überlegen, ob man 30 Jahre lang die richtige Lohnpolitik gemacht hat". Aber, möchte man der Fragestellerin souflieren. sind die Reallöhne in den letzten 30 Jahren nicht immer hinter der Produktivität zurückgeblieben - ohne dass das positive Auswirkungen auf die Beschäftigung gehabt hätte? Und wieso kommt er auf einen beschäftigungsneutralen Spielraum von zwei Prozent, währen andere Ökonomen von drei Prozent sprechen?

Das ist der freundlichen Stimme des Qualitätsradios alles keine kritische Nachfrage wert. Stattdessen legt sie eine gute Stunde später noch einmal nach, dass einem beim zwischenzeitlcihen Frühstück ob der "klaren Worte" vor Schreck der Bissen im Halse stecken bleibt, wenn Laurenz Meyer, ehemaliger Doppelverdiener (als Generalsekretär der CDU und als virtueller RWE-Angestellter), der nach einer Anstamdspause wieder zum wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion aufgestiegen ist, verkünden darf: ""Wir haben die klare Position, dass wir achten müssen, dass wir Konstruktionen finden, die Löhne, die also irgendwie von moralischen Kategorien her völlig verfehlt sind, dass wir die verhindern, aber gleichzeitig aufpassen, dass Arbeitsplätze auch für die entstehen, die von ihrer Produktivität her nicht so große Produktivität bringen und damit auch nicht so hohe Löhne."
Der Rest der "Interviews" ist eine wortreich stotternde Variation der "klaren Position". Aber die naheliegende Frage, wo denn nun die "Lohnuntergrenze", die Meyer ausdrücklich "einziehen" will, genau liegen soll, wo der nicht mehr "sittenwidrige" Lohn beginnt und der "arbeitsplatzgefährdende" aufhört - sie wird auch hier nicht gestellt.

Sinn-Interview - Meyer-Interview
 

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