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Im Focus: Wohlhabende sichern Volksrente?

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Donnerstag, 20. Juli 2006

Im Focus: Wohlhabende sichern Volksrente?

Geschrieben von SANDmann in Public Affairs
Das Geldvermögen der privaten Haushalte hat - nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Banken, von den ausländischen liegen keine vor - in den vergangenen 25 Jahren von rund 760 Milliarden Euro (1980) auf über 4,2 Billionen Euro (2005) zugenommen. Die heutige Generation 'Bricklebrit' kann statistisch etwa über das fünffache Vermögen verfügen wie ihre Eltern. Selbst nach Abzug der allgemeinen Preissteigerung im selben Zeitraum von knapp 80 Prozent bleibt noch ein hübsches Wachstum von gut 400 Prozent.

"Wenngleich diese Zahlen nichts über die Verteilung des Ersparten in der Bevölkerung aussagen", kommentiert der 'Focus' die Meldung, "so besteht doch ein erhebliches Reservoir beispielsweise für die notwendige private Altersvorsorge".

Nanu, Anstiftung zur gerontologischen Revolution aus dem Sprachrohr der Leistungsgesellschaft? Hat der Faktenhuber Markwort seine Redaktion nicht mehr im Griff? Unglaublich: Soll den Wohlhabenden ernsthaft zugemutet werden, für die private Volksrente der Habenichtse zu sorgen, das Volksvermögen, das wenigen gehört, als gigantischer Rentenfonds für alle dienen?
Das wäre eine ganz neue Interpretation von Kapitaldeckung. Und auch eine innovative Rückbesinnung auf den Artikel 14 Grundgesetz in der Auslegung des Bundesverfassungsgerichts: "Eigentum verpflichet. Sein Gebrauch soll zugleich (= zu gleichen Teilen) dem Wohle der Allgemeinheit dienen."

Das hieße: Jeder Bundesbürger hätte Pi ma Daumen einen Ruhestand-Grundstock von 50.000 Euro - für den Anfang. Wenn man jetzt den Rentenfonds als Hedgefonds managte - mit vier Billionen könnte man selbst die Multis filetieren -, sollte das Startkapital leicht um 20 bis 30 Prozent per Anno anwachsen. Und wenn dann noch die Doppel-MuM-Regierung - Merkel und Müntefering mit Mut und Menschlichkeit - das Eintrittsalter ins Renterparadies weit genug heraufsetzte, könnte die Altersfreiheit wohl grenzenlos sein: Die Rentiersdividende stiege ins Unermessliche und jeder wäre bald Millionär, nicht nur einige wenige. Dafür bluten (sprich: rabotten) müssen andere; für ein aussterbendes Volk bietet sich für Mehrholer-Value das baby-boomende Ausland an.

Insofern könntes es doch ein echtes Markwort sein, ist es doch die ebenso konsequente wie radikale Fortentwicklung der neoliberalen Theorie, ganz im Sinne der Koch-Steinbrück-Logik der Reformen: erst verzichten, um später mehr zu haben. Oder war das gar nicht so gemeint? Sind da etwa subversiv-feinsinnige Maulwürfe - also nicht vom BND - mit Unterwandererstiefeln im Zentralorgan der freien Marktwirtschaft am Werk?
 

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